Artischocke
Cynara scolymus
Die Artischocke ist eine traditionsreiche Kultur- und Heilpflanze, die sowohl in der Küche als auch in der Naturheilkunde geschätzt wird. Besonders ihre Blätter enthalten wertvolle Bitterstoffe und werden seit Jahrhunderten verwendet.

Wirkstoffe
Bitterstoffe (v. a. Cynarin)
Flavonoide
Phenolsäuren
ätherische Öle
Besonders Cynarin ist charakteristisch für die Artischocke.
Tradition
Die Artischocke wurde bereits in der Antike kultiviert und sowohl als Nahrungs- als auch als Heilpflanze genutzt. In der traditionellen europäischen Medizin finden vor allem die Blätter Anwendung im Bereich der Verdauung.
Heilwirkung
Artischockenblätter werden traditionell verwendet:
zur Unterstützung der Verdauung
zur Förderung der Fettverdauung
zur Unterstützung der Leberfunktion
Die Bitterstoffe regen die Produktion von Verdauungssäften an.
Wissenschaft
Die Artischocke gehört zu den gut untersuchten Heilpflanzen. Studien befassen sich insbesondere mit Cynarin und dessen Einfluss auf Leber- und Verdauungsfunktionen. Ergebnisse deuten auf eine unterstützende Wirkung im Stoffwechselbereich hin.
Kultur & Geschichte
Ursprünglich aus dem Mittelmeerraum stammend, ist die Artischocke heute weltweit verbreitet. Sie ist fester Bestandteil der mediterranen Küche und zugleich eine wichtige Pflanze in der Pflanzenheilkunde.
Anbau & Ernte
Standort: sonnig, warm
Boden: nährstoffreich, gut durchlässig
Pflanze: mehrjährig
Ernte:
Blütenknospen (für Küche)
Blätter (für Heilzwecke)
Die Blätter werden meist vor der Blüte geerntet


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Cynara scolymus folium
• Korbblütler (Asteraceae)
• kühl
• bitter, süß
• Le, Gb, Bl, Ma
Traditionelle Anwendung im Westen
• Eigenschaften kühl und trocken bitter, öffnend und reinigend
(Culpeper, übertragen auf Bitterpflanzen)
• Hepatobiliäres System Leberstimulation und Förderung des Gallenflusses (choleretisch), Nicht anwenden bei Gallensteinen oder Verschluss der Gallenwege, da Artischockenblätter den Gallenfluss anregen, unterstützt bei Gelbsucht und funktionellen Gallenbeschwerden, besonders wirksam bei Verdauungsproblmen durch fettreiche Nahrung (Wichtl, 1989)
• Verdauungssystem Verdauungsschwächen und Völlegefühl, Blähungen und träge Verdauung, unterstützt die Fettverdauung, bei Appetitmangel, Bitterstoffwirkung stärkt Magen und Verdauung
• Stoffwechsel fördert die Ausleitung von Stoffwechselprodukten, unterstützend bei Frühjahrskuren
• Herz-Kreislauf / Lipidstoffwechsel traditionell eingesetzt zur Unterstützung des Fettstoffwechsels, kann regulierend auf
Cholesterin wirken
• Toxin-Ansammlung unterstützend bei Belastung durch Stoffwechselrückstände, fördert die „Reinigung“ über Leber und Galle
Pharmakologische Zusammensetztung
• Caffeoylchinasäuren (v. a. Cynarin, Chlorogensäure, Kaffeesäure-Derivate), zentrale Wirkstoffe mit choleretischer und leberprotektiver Wirkung
• Sesquiterpenlactone (v. a. Cynaropikrin und verwandte Bitterstoffe), verantwortlich für den bitteren Geschmack und die verdauungsanregende Wirkung
• Flavonoide u. a. Luteolin, Apigenin sowie deren Glykoside, antioxidativ und entzündungshemmend
• Phenolische Verbindungen tragen zur hepatoprotektiven und stoffwechselregulierenden Wirkung bei
• Triterpene und Phytosterole (in geringeren Mengen), unterstützend für Zellschutz und Stoffwechsel
• Inulin (v. a. in der Wurzel, gering in den Blättern), präbiotisch wirksam
• Mineralstoffe u. a. Kalium, unterstützend für Ausscheidung und Stoffwechsel
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• Caffeoylchinasäuren (v. a. Cynarin), fördern die Gallenproduktion (choleretisch) und den Gallenfluss (cholagog), unterstützen die Leberfunktion und wirken leberprotektiv
• Sesquiterpenlactone (v. a. Cynaropikrin), verantwortlich für die Bitterwirkung, regen die Verdauungssäfte an und fördern die Magen- und Gallensekretion
• Flavonoide (z. B. Luteolin), antioxidativ und entzündungshemmend, schützen Leberzellen vor oxidativem Stress
• Phenolsäuren (Chlorogensäure, Kaffeesäure-Derivate), unterstützen den Fettstoffwechsel, tragen zur Regulation des Cholesterinspiegels bei
• Inulin, präbiotisch, unterstützt die Darmflora, fördert eine gesunde Verdauung
• Kalium, unterstützt die Ausscheidungsfunktion, wirkt leicht diuretisch
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete Arznei 600–1800 mg pro Tag standardisierter Extrakt
(auf Caffeoylchinasäuren bzw. Cynarin standardisiert)
Flüssigextrakt bis ca. 6 ml täglich eines Extraktes (z. B. 1:1)
Tinktur 2–5 ml der 1:5-Tinktur in 45% Alkohol, zwei- bis dreimal täglich
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
