Brennnessel
Urtica dioica
Die Brennnessel zählt zu den kraftvollsten heimischen Heilpflanzen und wird seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde geschätzt. Sowohl die Blätter als auch die Samen enthalten wertvolle Inhaltsstoffe und finden in unterschiedlichen Bereichen Anwendung.

Wirkstoffe
Blätter:
Flavonoide
Kieselsäure
Mineralstoffe (Eisen, Kalium, Magnesium)
Chlorophyll
Samen:
Fettsäuren
Vitamin E
Mineralstoffe
Die Kombination macht die Brennnessel zu einer vielseitigen Pflanze.
Tradition
Die Brennnessel wurde traditionell als „reinigende“ Pflanze geschätzt und besonders im Frühjahr verwendet. In der Volksheilkunde fand sie vielseitige Anwendung und galt als stärkende und ausgleichende Pflanze.
Heilwirkung
Die Brennnessel wird traditionell verwendet:
Blätter:
zur Unterstützung der Ausleitung
zur Förderung des Stoffwechsels
zur Unterstützung der Nierenfunktion
Samen:
zur Stärkung des Körpers
zur Unterstützung bei Erschöpfung
als nährstoffreiche Ergänzung
Wissenschaft
Die Brennnessel ist gut untersucht. Studien beschäftigen sich insbesondere mit entzündungshemmenden Eigenschaften sowie der unterstützenden Wirkung auf Stoffwechsel- und Ausscheidungsprozesse.
Kultur & Geschichte
Die Brennnessel ist in Europa weit verbreitet und wächst bevorzugt auf nährstoffreichen Böden. Neben ihrer Verwendung als Heilpflanze wurde sie früher auch zur Herstellung von Textilfasern genutzt.
Anbau & Ernte
Standort: sonnig bis halbschattig
Boden: nährstoffreich, feucht
Pflanze: mehrjährig
Ernte:
Blätter: Frühjahr bis Sommer
Samen: Spätsommer
Wurzel: Herbst
Die verschiedenen Pflanzenteile werden je nach Verwendungszweck zu unterschiedlichen Zeiten geerntet.


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Urticae folii/herba
• Nesselgewächse (Urticaceae)
• warm-kühl
• scharf
• Lu, Darm, Bl, Ut
Traditionelle Anwendung im Westen
• Eigenschaften da die Nessel eine wärmende und trocknende Qualität besitzt, werden die jungen Triebspitzen im Frühjahr traditionell von Menschen verzehrt, bei denen sich nach der kalten und feuchten Winterzeit überschüssiges Phlegma angesammelt hat
• Lungen löst Blockaden in den Atemwegen, die sich durch Keuchen und Kurzatmigkeit äußern können, und unterstützt das Abhusten von zähem Schleim
• Nieren und Blase fördert die Harnausscheidung und unterstützt das Ausscheiden von Grieß und kleinen Steinen aus Niere und Blase
Pharmakologische Zusammensetztung
• Flavonoide, vorwiegend Kämpferol, Isorhamnetin und Quercetin sowie deren Glykosidverbindungen
• Phenylpropanoide, insbesondere Kaffeesäureester, mit Caffeoyl-Apfelsäure als Hauptkomponente
• Mineralstoffe, vor allem Calcium, Kalium (ca. 2%) und Silizium (ca. 0,9–1,8%)
• weitere Inhaltsstoffe, insbesondere in den Brennhaaren der Blätter enthalten:
- geringe Mengen biogener Amine wie Histamin, Acetylcholin und 5-Hydroxytryptamin (Serotonin)
- geringe Mengen an Leukotrienen
- Oxalsäure und Weinsäure, die als wesentliche schmerzauslösende Substanzen beschrieben werden
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• entzündungshemmend durch Flavonoide (Kämpferol, Quercetin, Isorhamnetin)
• antioxidativ durch Flavonoide und Phenylpropanoide
• diuretisch durch den hohen Gehalt an Kaliumsalzen
• remineralisierend und stoffwechselunterstützend durch den hohen Mineralstoffgehalt (v. a. Calcium, Silizium)
• reizend und durchblutungsfördernd auf der Haut durch Inhaltsstoffe der Brennhaare (Histamin, Acetylcholin, Serotonin)
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete oder flüssige Arznei innerlich
Getrocknetes Blatt: 3–6 g der Blätter, als Pulver oder Aufguss, dreimal täglich (BHC)
Tinktur aus dem Blatt: 2–6 ml einer 1:5-Tinktur in 25% Alkohol, dreimal täglich (BHC)
Frisch gepresster Saft aus dem Blatt: 5–10 ml, dreimal täglich (BHC)
Getrocknete Wurzel: 4–6 g als Aufguss, einmal täglich (ESCOP)
Flüssigextrakt aus der Wurzel: 4,5–7,5 ml eines 1:1-Extraktes in 45% Ethanol, einmal täglich (ESCOP)
Arznei äußerlich
Erwachsene: frische Brennnesselblätter direkt auf die schmerzende Hautstelle aufstreichen, einmal täglich für etwa 30 Sekunden (ESCOP)
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
