Mariendistel
Silybum marianum
Die Mariendistel ist eine traditionsreiche Heilpflanze mit auffälligem Erscheinungsbild und langer Anwendungsgeschichte. Besonders ihre Samen werden in der Naturheilkunde geschätzt und gelten als wertvoll für das allgemeine Wohlbefinden, insbesondere im Zusammenhang mit Leber und Verdauung.

Wirkstoffe
Die wirksamen Bestandteile der Mariendistel befinden sich vor allem in den Samen:
Silymarin-Komplex (Hauptwirkstoffgruppe)
Flavonolignane (z. B. Silibinin)
Bitterstoffe
fettes Öl
Diese Inhaltsstoffe sind Gegenstand intensiver wissenschaftlicher Untersuchungen.
Tradition
Die Mariendistel wird bereits seit der Antike verwendet und war auch in der Klostermedizin bekannt. Ihr Name geht auf eine christliche Legende zurück, nach der die weißen Blattzeichnungen von der Milch der Jungfrau Maria stammen sollen.
Traditionell wurde sie vor allem im Zusammenhang mit der Unterstützung von Leber und Verdauung eingesetzt.
Heilwirkung
Die Mariendistel wird traditionell verwendet:
zur Unterstützung der Leberfunktion
zur Förderung der Verdauung
zur Unterstützung des allgemeinen Stoffwechsels
Die enthaltenen Bitterstoffe können die Verdauung anregen, während der Silymarin-Komplex in der Naturheilkunde besonders geschätzt wird.
Wissenschaft
Die Mariendistel zählt zu den am besten untersuchten Heilpflanzen im Bereich der Leberfunktion. Studien befassen sich insbesondere mit dem Wirkstoffkomplex Silymarin und dessen möglicher antioxidativer Wirkung.
Untersuchungen deuten darauf hin, dass bestimmte Inhaltsstoffe eine schützende Wirkung auf Leberzellen haben können.
Kultur & Geschichte
Die Mariendistel ist im Mittelmeerraum beheimatet und verbreitete sich später in ganz Europa. Aufgrund ihres markanten Aussehens und ihrer symbolischen Bedeutung wurde sie sowohl medizinisch als auch kulturell genutzt.
Heute findet sie weltweit Anwendung in der Naturheilkunde.
Anbau & Ernte
Die Mariendistel ist eine robuste Pflanze, die sonnige Standorte bevorzugt und auch mit trockeneren Böden gut zurechtkommt.
Standort: sonnig, warm
Boden: durchlässig, eher nährstoffreich
Blütezeit: Sommer
Ernte: Samen im Spätsommer / Frühherbst
Die Samen werden geerntet, sobald sie vollständig ausgereift sind.


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Silybi mariani fructus
• Korbblütler (Asteraceae, Compositae)
• neutral
• bitter
• Le, Gb, Mi
Traditionelle Anwendung im Westen
• löst Stauungen in Leber und Milz, eingesetzt bei Gelbsucht sowie bei Beschwerden im Zusammenhang mit Steinleiden (Culpeper 1651)
• fördert die Harnausscheidung bei Ödemen und wird traditionell bei Harnsteinen angewendet (Culpeper 1651)
• gilt als wirksames Mittel zur „Blutreinigung“ (Culpeper 1651)
• der deutsche Arzt Rademacher (1772–1850) setzte eine Tinktur aus Silybum-Samen gezielt bei Lebererkrankungen ein; mehrere seiner Anwendungsgebiete wurden später von den nordamerikanischen eklektischen Ärzten übernommen
• Stauungszustände von Leber und Milz (Felter und Lloyd):
- Leberschmerzen und -vergrößerung, Beschwerden im Hypochondrium, Migräne, Gallensteine und Gelbsucht
- blasse Gesichtsfarbe, gestörter Appetit, körperliche Schwäche, depressive Verstimmung und nervöse Reizbarkeit
Milzvergrößerungen ohne Zusammenhang mit Malaria sowie Milzschmerzen
• Kreislaufstörungen (Felter und Lloyd) im Bereich der Milz durch Stauungen, Krampfadern sowie starke Blutungen im Zusammenhang mit Leber- oder Milzerkrankungen (Rademacher), außerdem Melaena, Hämoptyse und Menorrhagie
• Stauungszustände der Nieren mit Schmerzen beim Wasserlassen sowie Hämaturie
• seit der Isolierung von Silymarin durch Wagner (1968) hat das wissenschaftliche Interesse an Silybum marianum deutlich zugenommen. Zahlreiche Studien untersuchten seither die leberstärkende und leberschützende Wirkung, insbesondere im Zusammenhang mit Prävention und Therapie chronischer Lebererkrankungen, einschließlich Schäden durch Toxine, Medikamente und Genussmittel
Pharmakologische Zusammensetztung
• Silymarin-Komplex (ca. 1,5–3%), bestehend aus Flavonoid-Derivaten, den sogenannten Flavonolignanen (keine echten Lignane), darunter Silibinin A und B, Isosilibinin A und B, Silichristin und Silidianin (Silibinin = Silibin = Silybin)
• Flavonoide, einschließlich Taxifolin, Quercetin und Kämpferol
• Sterole (ca. 0,18%), überwiegend β-Sitosterol
• fettes Öl (ca. 20–30%), vor allem Linolsäure und Ölsäure
• weitere Bestandteile: Proteine (ca. 25–30%) sowie Schleimstoffe
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• Silymarin wirkt unterstützend bei Gallenstau und zeigt nierenprotektive Eigenschaften.
• Silibinin (ist der wichtigste Einzelwirkstoff im Silymarin) antibakteriell, entzündungshemmend, antioxidativ, antidiabetisch, cholesterinsenkend, leberprotektiv, immunmodulatorisch und in Studien auch krebshemmend untersucht.
In der modernen Medizin findet insbesondere Silibinin zudem Anwendung als Bestandteil einer Infusionstherapie bei schweren Vergiftungen mit dem Knollenblätterpilz (Amanita phalloides), wobei diese Behandlung ausschließlich unter klinischen Bedingungen erfolgt.
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete Arznei: sollte nicht als Aufguss oder Dekokt angewendet werden, da Silibinin nahezu unlöslich in Wasser ist
Flüssigextrakt: 1,5–3 ml eines 1:1-Extraktes, dreimal täglich (umgerechnet nach M&B Safety)
Konzentriertes Extrakt: 70–200 mg eines standardisierten Extraktes (70–80% Silymarin) in Tabletten- oder Kapselform, dreimal täglich (umgerechnet nach M&B Safety)
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
