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Johanniskraut

Hypericum perforatum

Johanniskraut ist eine der bekanntesten heimischen Heilpflanzen und wird traditionell zur Unterstützung des seelischen Gleichgewichts eingesetzt. Es findet Anwendung zur Stabilisierung der Psyche und wird sowohl bei nervlichen Belastungen als auch bei Nervenleiden geschätzt. Darüber hinaus wird es äußerlich in Form von Johanniskrautöl (Rotöl) zur Pflege und Unterstützung der Wundheilung eingesetzt.


Die leuchtend gelben Blüten sind charakteristisch und enthalten wertvolle Inhaltsstoffe, die seit Jahrhunderten geschätzt werden.

Wirkstoffe

Blüten & Kraut:

  • Hypericin

  • Hyperforin

  • Flavonoide

  • Gerbstoffe

Besonders die Blüten sind reich an wirksamen Inhaltsstoffen.

Tradition

Johanniskraut wurde bereits in der Antike verwendet und galt als Schutz- und Lichtpflanze. Es wurde traditionell rund um den Johannistag (24. Juni) geerntet und vielseitig in der Volksheilkunde eingesetzt.

Heilwirkung

Johanniskraut wird traditionell verwendet:

  • zur Unterstützung des seelischen Gleichgewichts

  • zur Förderung der inneren Ruhe

  • bei nervlicher Unruhe

  • zur Unterstützung des Schlafs

Es zählt zu den bekanntesten Pflanzen für das Wohlbefinden.

Wissenschaft

Johanniskraut ist gut untersucht. Studien beschäftigen sich insbesondere mit seinen Inhaltsstoffen Hypericin und Hyperforin sowie deren Einfluss auf das Nervensystem. Die Pflanze wird in der modernen Pflanzenheilkunde intensiv erforscht.

Kultur & Geschichte

Johanniskraut ist in Europa weit verbreitet und wächst bevorzugt auf sonnigen Wiesen und an Wegrändern. Es wurde seit Jahrhunderten als Heil- und Ritualpflanze genutzt und ist tief in der europäischen Pflanzenkunde verankert.

Anbau & Ernte

  • Standort: sonnig

  • Boden: eher trocken, durchlässig

  • Pflanze: mehrjährig

Ernte:

  • Blüten & Kraut: zur Blütezeit (Sommer)

Die Blüten werden traditionell zur Mittagszeit geerntet.

Quelle

Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)

Fachinformationen für Therapeuten

Pharmazeutischer Name & Eigenschaften

• Hyperici herba

• Hartheugewächse (Hypericacea, Guttiferae

• neutral

• sauer-adstringierend, bitter, etwas süß

• He, Ni

Traditionelle Anwendung im Westen

Im Verlauf der letzten 2.000 Jahre haben sich die Anwendungsgebiete von Hypericum im westlichen Raum mehrfach gewandelt, wobei je nach Epoche unterschiedliche Wirkungen im Vordergrund standen

Wundheilend (Gerard 1633; Culpeper 1651) traditionell eingesetzt zur Behandlung von Wunden, Verbrennungen und Schwellungen. Anwendung sowohl äußerlich als auch innerlich, insbesondere bei frischen Verletzungen und ulzerativen Prozessen

Spinale Erkrankungen (Felter und Lloyd 1898; Ellingwood 1919) verwendet bei Beschwerden im Bereich der Wirbelsäule und bei Rückenschmerzen, etwa nach Stürzen oder Erschütterungen. Auch beschrieben bei Ischias und Neuralgien

Bettnässen (Grieve 1931; Weiss 1988) traditionell bei kindlichem Bettnässen angewendet

Ängstliche Erregung (Felter und Lloyd 1898; Grieve 1931) beschrieben bei Hysterie, Angstzuständen und nervös bedingten depressiven Verstimmungen

Depressionen in den letzten Jahrzehnten vor allem zur Behandlung depressiver Zustände eingesetzt, mit Wirkung auf Nervensystem und Gemütslage

Beschwerden der Wechseljahre angewendet bei nervösen Beschwerden während der Menopause, insbesondere bei innerer Unruhe und neurotischen Depressionen

andere

- Malaria (Dioscorides)

- Durchfall (Gerard; Culpeper)

- Hämoptyse und Hämatemesis (Gerard; Culpeper; Grieve)

- chronischer Katarrh der Atemwege (Grieve)

Pharmakologische Zusammensetztung

Phloroglucinolderivate, vor allem Hyperforin (ca. 2–4%) sowie Adhyperforin (ca. 0,2–1,9%)

Naphthodianthrone (ca. 0,06–0,4%), hauptsächlich Hypericin (ca. 0,03–0,9%) und Pseudohypericin (ca. 0,03–0,34%)

Flavonoide (bis etwa 4%)

- Monoflavonoide, überwiegend Quercetin-Glykoside, darunter Hyperosid (ca. 0,7–1,2%) und Quercetin-3-Glucuronid (Miquelianin, ca. 0,1–0,3%)

-Biflavone, insbesondere Biapigenine wie Amentoflavon

Gerbstoffe (ca. 6–15%), vor allem Procyanidine, darunter A2 sowie B1, B2, B3, B5, B7 und C1

weitere Bestandteile: ätherisches Öl (ca. 0,1–0,25%), mit Hauptkomponenten wie 2-Methyloctan (ca. 16%) und α-Pinen (ca. 10,6%)

Wirkung Aufgrund der Bestandteile  

Naphthodianthrone, insbesondere Hypericin, wirken antiviral und fiebersenkend; Pseudohypericin zeigt entzündungshemmende Eigenschaften; insgesamt auch antidepressiv wirksam

Phloroglucinolderivate, vor allem Hyperforin, besitzen antibakterielle, entzündungshemmende, antidepressive sowie krebshemmende Wirkungen

Flavonoide wirken entzündungshemmend (Amentoflavon), neuroprotektiv (Quercetin, Kämpferol, Biapigenin), antidepressiv und fiebersenkend (Miquelianin, Amentoflavon) sowie krebshemmend (Biapigenin-Derivate)

Dosierung und Verabreichungsform

Getrocknete Arznei: 2–4 g des Krautes, entweder als Pulver eingenommen oder als Aufguss zubereitet, dreimal täglich (umgerechnet nach M&B Safety)

Flüssigextrakt: 1–2 ml eines 1:2-Extraktes oder eine entsprechende Menge in Tabletten- oder Kapselform, ebenfalls dreimal täglich (umgerechnet nach M&B Safety)

Hinweis:
Bei der Anwendung von Johanniskraut kann es zu einer erhöhten Lichtempfindlichkeit (Photosensibilität) kommen. Intensive Sonneneinstrahlung sowie Solariumbesuche sollten während der Anwendung möglichst vermieden werden, insbesondere bei höherer Dosierung oder empfindlicher Haut.

Quelle

Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.

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