Löwenzahn (Blatt&Blüte)
Taraxacum officinale
Löwenzahn zählt zu den bekanntesten heimischen Wildpflanzen und wird seit Jahrhunderten sowohl als Nahrungs- als auch als Heilpflanze geschätzt. Besonders die frischen Blätter finden vielseitige Verwendung und sind für ihren leicht bitteren Geschmack bekannt.

Wirkstoffe
Bitterstoffe (Taraxacin)
Flavonoide
Kalium
Inulin (in geringerer Menge als in der Wurzel)
Gerbstoffe
Diese Inhaltsstoffe machen den Löwenzahn zu einer wertvollen Pflanze für Ernährung und traditionelle Anwendungen.
Tradition
Löwenzahn wurde in der Volksheilkunde seit jeher als „Frühjahrspflanze“ geschätzt. Besonders im Frühjahr wurde er verwendet, um den Körper nach dem Winter zu unterstützen und den Stoffwechsel anzuregen.
Heilwirkung
Löwenzahnkraut wird traditionell eingesetzt:
zur Unterstützung der Verdauung
zur Anregung des Stoffwechsels
zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens
Die Bitterstoffe können die Produktion von Verdauungssäften unterstützen.
Wissenschaft
Moderne Untersuchungen beschäftigen sich mit den Bitterstoffen und deren Einfluss auf Verdauungsprozesse. Studien zeigen, dass diese Stoffe eine wichtige Rolle bei der Aktivierung von Stoffwechselprozessen spielen können.
Kultur & Geschichte
Löwenzahn ist weltweit verbreitet und gehört zu den widerstandsfähigsten Wildpflanzen. Er wurde sowohl als Nahrung als auch als Heilpflanze genutzt und ist heute fester Bestandteil vieler naturheilkundlicher Ansätze.
Anbau & Ernte
Standort: sonnig bis halbschattig
Boden: nährstoffreich
Ernte: junge Blätter im Frühjahr
Besonders die jungen Blätter sind mild im Geschmack und werden bevorzugt verwendet.


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Taraxaci radix et rhizoma
• Korbblütler (Asteraceae, Compositae)
• kühl-kalt
• bitter
• Le, Gb, Ni, Bl, Ma, Darm
Traditionelle Anwendung im Westen
• Eigenschaften kalt und trocken im zweiten Grad, mit öffnender und reinigender Qualität (Culpeper, 1651)
• Fieber fördert bei fieberhaften Zuständen den Schlaf, eingesetzt bei unterschiedlichen Fieberformen, insbesondere bei Malaria (Tabernaemontanus, 1731) und Typhus (Lyle, 1897)
• hepatobilitäres System
- Hitze in der Leber, bei leberbedingten Schmerzen heißer Natur sowie bei Beschwerden, die bei Menschen auftreten, die längere Zeit in warmen Klimazonen leben (Grieve 1931)
-Leberschwäche und Leberstau, eingesetzt bei Stauungen von Leber und Galle, z. B. bei Gelbsucht, Cholezystitis und Cholelithiasis (BHP, 1983); auch bei hepatobiliären Erkrankungen mit Verdauungsproblemen, insbesondere bei unzureichender Verdauung fettreicher Nahrung (Wichtl, 1989)
• Verdauungssystem
- Verdauungsschwäche, stärkt die Magenfunktion bei Schwäche (Gerard, 1633), z. B. bei atonischer Dyspepsie und Appetitlosigkeit
- Blockierungen im Verdauungssystem, eingesetzt bei stagnativen Prozessen im Bereich der Milz, mit mild abführender Wirkung bei Obstipation
- Hitze im Verdauungssystem, bei Magenschmerzen heißer Natur sowie Reizzuständen der Magen- und Darmschleimhäute, insbesondere bei träger Leberfunktion und Dysenterie
• Harnsystem fördert die Harnausscheidung, unterstützt die Reinigung und Heilung von Geschwüren in den Harnwegen, bei schmerzhafter Miktion und Ödemen
• Toxin-Ansammlung traditionell eingesetzt bei Blutkrankheiten, chronischen Hauteruptionen und rheumatischen Beschwerden (Ellingwood, 1919), sowie beschrieben in der Behandlung von Krebs (Reis, 1635)
Pharmakologische Zusammensetztung
• Sesquiterpenlactone, vorliegend als bitter schmeckende Glykoside, darunter das Germacranolid-Lacton Taraxinsäure-Glykosid
• Triterpenoide in Form pentazyklischer Alkohole, u. a. Taraxasterol, Taraxerol und β-Amyrin, ergänzt durch Phytosterole wie β-Sitosterol
• Flavonoide, darunter Apigenin- und Luteolin-Glucoside
• weitere Inhaltsstoffe: Phenolsäuren (z. B. Chlorogensäure und Kaffeesäure), Cumarine (z. B. Aesculin), Benzylglucoside sowie Mineralstoffe, insbesondere Kalium
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• Sesquiterpenlactone wirken antiviral (Taraxinsäure-Glykosid) sowie krebshemmend (Taraxinsäure)
• Triterpenoide zeigen krebshemmende Eigenschaften, insbesondere Taraxasterol (nachgewiesen in der Wurzel von T. japonicum)
➜ Bemerkenswert ist, dass die bereits 1635 von Reid beschriebene krebshemmende Wirkung durch moderne Studien bestätigt werden konnte
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete Arznei: 2–8 g der getrockneten Wurzel, als Pulver, Aufguss oder Dekokt, dreimal täglich (BHP)
Flüssigextrakt: 2–8 ml eines 1:1-Extraktes in 25% Alkohol, dreimal täglich (BHP)
Tinktur: 5–10 ml einer 1:5-Tinktur in 45% Alkohol, dreimal täglich (BHP)
Frisch gepresster Saft aus der Wurzel: 4–8 ml, dreimal täglich (BHP)
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
