Löwenzahnwurzel
Taraxacum officinale radix
Die Wurzel des Löwenzahns stellt einen besonders kraftvollen Teil der Pflanze dar und wird traditionell eigenständig genutzt. Sie enthält konzentrierte Inhaltsstoffe und wird häufig getrocknet oder weiterverarbeitet.

Wirkstoffe
hoher Anteil an Inulin
Bitterstoffe
Triterpene
Mineralstoffe
Die Wurzel unterscheidet sich in ihrer Zusammensetzung deutlich vom oberirdischen Pflanzenteil.
Tradition
Die Löwenzahnwurzel wurde traditionell vor allem im Zusammenhang mit Leber und Verdauung verwendet. In vielen Kulturen wurde sie auch geröstet und als Kaffeeersatz genutzt.
Heilwirkung
Die Löwenzahnwurzel wird traditionell eingesetzt:
zur Unterstützung der Leberfunktion
zur Förderung der Verdauung
zur Unterstützung des Stoffwechsels
Aufgrund ihrer Bitterstoffe wird sie besonders im Bereich der Verdauungsanregung geschätzt.
Wissenschaft
Forschung beschäftigt sich insbesondere mit dem Inulin-Gehalt der Wurzel sowie mit deren Einfluss auf die Darmflora. Studien deuten darauf hin, dass die enthaltenen Stoffe präbiotische Eigenschaften haben können.
Kultur & Geschichte
Die Nutzung der Wurzel hat eine lange Tradition in Europa. Besonders in Zeiten, in denen Kaffee knapp war, wurde die geröstete Löwenzahnwurzel als Alternative verwendet.
Anbau & Ernte
Erntezeit: Herbst (wenn Wirkstoffe eingelagert sind)
Verarbeitung: reinigen, schneiden, trocknen oder rösten
Standort: wie beim Löwenzahn allgemein
Die Wurzel wird idealerweise im Spätherbst geerntet, wenn sie besonders nährstoffreich ist.


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Taraxacum officinale radix
• Korbblütler (Asteraceae, Compositae)
• kühl-kalt
• bitter
• Le, Gb, Ni, Bl, Ma, Darm
Traditionelle Anwendung im Westen
• Eigenschaften kalt und trocken im zweiten Grad, mit öffnender und reinigender Qualität (Culpeper, 1651)
• Fieber fördert bei fieberhaften Zuständen den Schlaf, eingesetzt bei unterschiedlichen Fieberformen, insbesondere bei Malaria (Tabernaemontanus, 1731) und Typhus (Lyle, 1897)
• hepatobilitäres System
- Hitze in der Leber, bei leberbedingten Schmerzen heißer Natur sowie bei Beschwerden, die bei Menschen auftreten, die längere Zeit in warmen Klimazonen leben (Grieve 1931)
-Leberschwäche und Leberstau, eingesetzt bei Stauungen von Leber und Galle, z. B. bei Gelbsucht, Cholezystitis und Cholelithiasis (BHP, 1983); auch bei hepatobiliären Erkrankungen mit Verdauungsproblemen, insbesondere bei unzureichender Verdauung fettreicher Nahrung (Wichtl, 1989)
• Verdauungssystem
- Verdauungsschwäche, stärkt die Magenfunktion bei Schwäche (Gerard, 1633), z. B. bei atonischer Dyspepsie und Appetitlosigkeit
- Blockierungen im Verdauungssystem, eingesetzt bei stagnativen Prozessen im Bereich der Milz, mit mild abführender Wirkung bei Obstipation
- Hitze im Verdauungssystem, bei Magenschmerzen heißer Natur sowie Reizzuständen der Magen- und Darmschleimhäute, insbesondere bei träger Leberfunktion und Dysenterie
• Harnsystem fördert die Harnausscheidung, unterstützt die Reinigung und Heilung von Geschwüren in den Harnwegen, bei schmerzhafter Miktion und Ödemen
• Toxin-Ansammlung traditionell eingesetzt bei Blutkrankheiten, chronischen Hauteruptionen und rheumatischen Beschwerden (Ellingwood, 1919), sowie beschrieben in der Behandlung von Krebs (Reis, 1635)
Pharmakologische Zusammensetztung
• Sesquiterpenlactone, vorliegend als bitter schmeckende Glykoside, darunter das Germacranolid-Lacton Taraxinsäure-Glykosid
• Triterpenoide in Form pentazyklischer Alkohole, u. a. Taraxasterol, Taraxerol und β-Amyrin, ergänzt durch Phytosterole wie β-Sitosterol
• Flavonoide, darunter Apigenin- und Luteolin-Glucoside
• weitere Inhaltsstoffe: Phenolsäuren (z. B. Chlorogensäure und Kaffeesäure), Cumarine (z. B. Aesculin), Benzylglucoside sowie Mineralstoffe, insbesondere Kalium
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• Sesquiterpenlactone wirken antiviral (Taraxinsäure-Glykosid) sowie krebshemmend (Taraxinsäure)
• Triterpenoide zeigen krebshemmende Eigenschaften, insbesondere Taraxasterol (nachgewiesen in der Wurzel von T. japonicum)
➜ Bemerkenswert ist, dass die bereits 1635 von Reid beschriebene krebshemmende Wirkung durch moderne Studien bestätigt werden konnte
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete Arznei: 2–8 g der getrockneten Wurzel, als Pulver, Aufguss oder Dekokt, dreimal täglich (BHP)
Flüssigextrakt: 2–8 ml eines 1:1-Extraktes in 25% Alkohol, dreimal täglich (BHP)
Tinktur: 5–10 ml einer 1:5-Tinktur in 45% Alkohol, dreimal täglich (BHP)
Frisch gepresster Saft aus der Wurzel: 4–8 ml, dreimal täglich (BHP)
Hinweis:
Löwenzahnwurzel gehört zu einer kleinen Gruppe, alterativer Kräutern (diese Kräuter können Toxine aus dem Gewebe ins Blut freisetzten) und sollten daher mit vorsicht verwendet werden.
Bei zu hohen Dosen kann es zu einer verschlimmerung der Symtome kommen. Es empfielt sich eine Kombination mit Leberprotektiven und entzündungshemmenden Kräutern wie z.B. Mariendistel und Süßholzwurzel.
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
