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Tausendgüldenkraut

Centaurium erythraea

Das Tausendgüldenkraut ist eine zarte, aber wirkungsvolle Heilpflanze, die seit Jahrhunderten für ihre ausgeprägten Bitterstoffe geschätzt wird. Trotz ihres filigranen Erscheinungsbildes zählt sie zu den klassischen Pflanzen zur Unterstützung der Verdauung.

Wirkstoffe

  • Bitterstoffe (Secoiridoidglykoside)

  • Flavonoide

  • Xanthone

  • geringe Mengen ätherischer Öle

Besonders die Bitterstoffe sind für die Pflanze charakteristisch und prägend.

Tradition

Bereits in der Antike wurde das Tausendgüldenkraut hoch geschätzt. Sein Name deutet auf seinen früheren Wert hin – „tausend Gulden wert“.

In der traditionellen europäischen Heilkunde wurde es vor allem bei Verdauungsbeschwerden und zur Stärkung eingesetzt.

Heilwirkung

Tausendgüldenkraut wird traditionell verwendet:

  • zur Anregung des Appetits

  • zur Unterstützung der Verdauung

  • zur Förderung des allgemeinen Wohlbefindens

Die enthaltenen Bitterstoffe regen die Produktion von Verdauungssäften an.

Wissenschaft

Moderne Untersuchungen beschäftigen sich insbesondere mit den Bitterstoffen und deren Einfluss auf das Verdauungssystem. Studien zeigen, dass Bitterstoffe eine wichtige Rolle bei der Aktivierung von Stoffwechselprozessen spielen können.

Kultur & Geschichte

Das Tausendgüldenkraut ist in Europa heimisch und wächst bevorzugt auf nährstoffarmen Wiesen und sonnigen Standorten. Aufgrund seiner Wirkung wurde es über Jahrhunderte hinweg als wertvolle Heilpflanze weitergegeben.

Anbau & Ernte

  • Standort: sonnig, eher trocken

  • Boden: nährstoffarm, durchlässig

  • Wachstum: ein- bis zweijährig

Ernte:

  • während der Blütezeit

  • gesamte oberirdische Pflanze

Besonders in der Blüte ist der Bitterstoffgehalt hoch

Quelle

Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)

Fachinformationen für Therapeuten

Pharmazeutischer Name & Eigenschaften

• Centaurii herba

• Enziangewächse (Gentianaceae)

• kühl

• stark bitter

• Le, Ma

Traditionelle Anwendung im Westen

Eigenschaften kalt und trocken im zweiten Grad, mit stark bitterer, öffnender und reinigender Eigenschaft

Fieber bei fieberhaften Zuständen mit Hitze und Unruhe, unterstützt die Regulation erhöhter Körpertemperatur, besonders bei schwächenden Fieberverläufen

hepatobilitäres System

- Leber- und Gallenstau, fördert den Gallenfluss und unterstützt die Leber bei der Ausleitung, bei Gelbsucht und träger Leberfunktion

- Hitze in Leber und Galle, reguliert übermäßige Hitzezustände und unterstützt die Entlastung des hepatobiliären Systems

Verdauungssystem

- Verdauungsschwäche, klassisches Amarum zur Stärkung von Magen und Verdauungskraft, bei Appetitlosigkeit und atonischer Dyspepsie

- unzureichende Verdauung, besonders bei fettreicher Nahrung, fördert die Sekretion von Magensäften und Galle

- Blockaden im Verdauungstrakt, löst stagnative Prozesse und unterstützt eine geregelte Verdauung

Stoffwechsel

- Anregung des gesamten Stoffwechsels, unterstützt bei allgemeiner Schwäche und langsamen Stoffwechselprozessen

- Rekonvaleszenz, stärkend nach Erkrankungen durch Förderung der Nährstoffaufnahme

Haut und Ausleitung

- Toxin-Ansammlung, unterstützend bei Hautunreinheiten und chronischen Hautprozessen durch Förderung der inneren Reinigung

- blutreinigende Wirkung, traditionell eingesetzt zur Unterstützung bei „unreinem Blut“

Pharmakologische Zusammensetztung

Bitterstoffe (ca. 2–5%), insbesondere Secoiridoidglykoside wie Gentiopikrosid, Amarogentin und Swertiamarin, mit stark verdauungsanregender und sekretionsfördernder Wirkung

Flavonoide (ca. 0,5–1,5%), einschließlich Apigenin- und Luteolin-Derivaten, mit antioxidativen und entzündungsmodulierenden Eigenschaften

Xanthone (Spuren bis ca. 0,1–0,3%), mit potenziell leberschützender und antimikrobieller Wirkung

Phenolcarbonsäuren (ca. 0,2–0,5%), einschließlich Kaffeesäurederivaten, mit antioxidativer Wirkung

Triterpene (Spuren), unterstützend für zellschützende und entzündungsregulierende Prozesse

geringe Mengen ätherisches Öl (<0,1%), mit mild aromatischer und leicht antimikrobieller Wirkung

Wirkung Aufgrund der Bestandteile  

Bitterstoffe (v. a. Gentiopikrosid, Amarogentin, Swertiamarin) stark verdauungsanregend, sekretionsfördernd (Magensäfte, Galle), appetitanregend, stoffwechselaktivierend, leberstärkend

Flavonoide entzündungshemmend (Apigenin, Luteolin), antioxidativ, krampflösend, gefäßschützend

Xanthone leberschützend, antimikrobiell, antioxidativ, unterstützend bei Stoffwechsel- und Entgiftungsprozessen

Phenolcarbonsäuren antioxidativ, entzündungshemmend, zellschützend, unterstützend für Leber- und Gallenfunktion

Triterpene entzündungsmodulierend, zellschützend, unterstützend für Regenerationsprozesse

ätherisches Öl (geringe Mengen) leicht antimikrobiell, verdauungsfördernd, aromatisch anregend

Dosierung und Verabreichungsform

Getrocknete Arznei 1–2 g pro Tag (als Tee, klassisches Amarum)

Flüssigextrakt bis ca. 2–4 ml täglich eines Extraktes (z. B. 1:1)

Tinktur 1–3 ml der 1:5-Tinktur in 45% Alkohol, zwei- bis dreimal täglich vor den Mahlzeiten

Quelle

Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.

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