Zitronenmelisse
Melissa officinalis
Zitronenmelisse ist eine sanfte und zugleich wirkungsvolle Heilpflanze, die besonders für ihre beruhigenden und ausgleichenden Eigenschaften geschätzt wird. Ihr frischer, zitroniger Duft macht sie zudem zu einer beliebten Pflanze für Tee und Küche.

Wirkstoffe
ätherische Öle
Rosmarinsäure
Flavonoide
Gerbstoffe
Besonders die ätherischen Öle sorgen für den frischen Duft.
Tradition
Zitronenmelisse wird seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde verwendet. Sie galt als Pflanze des Herzens und wurde traditionell zur Förderung von Ruhe und Ausgeglichenheit eingesetzt.
Heilwirkung
Zitronenmelisse wird traditionell verwendet:
zur Förderung der Entspannung
bei innerer Unruhe
zur Unterstützung des Schlafs
zur Unterstützung der Verdauung
Besonders als Tee sehr beliebt.
Wissenschaft
Zitronenmelisse wird in der Pflanzenheilkunde untersucht, insbesondere im Zusammenhang mit ihren beruhigenden Eigenschaften und ihren Inhaltsstoffen wie Rosmarinsäure.
Kultur & Geschichte
Die Zitronenmelisse stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und wurde bereits früh in Klostergärten kultiviert. Sie ist heute weltweit verbreitet und eine der beliebtesten Heilpflanzen.
Anbau & Ernte
Standort: sonnig bis halbschattig
Boden: locker, nährstoffreich
Pflanze: mehrjährig
Ernte:
Blätter: Frühjahr bis Sommer
Regelmäßiges Ernten fördert das Wachstum.


Quelle
Jeremy Ross, Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin (2009)
Fachinformationen für Therapeuten
Pharmazeutischer Name & Eigenschaften
• Melissae folium
• Lippenblütler (Lamiaceae, Labiatae)
• etwas warm
• aromatisch, bitter, etwas scharf
• He, Darm, (Le)
Traditionelle Anwendung im Westen
• Eigenschaften Gerard (1633) beschreibt Melissa als heiß und trocken im zweiten Grad
• Herz und Gehirn Gerard sowie Culpeper (1651) empfehlen Melissa bei folgenden Beschwerden:
- Erkrankungen des Herzens und Ohnmachtsanfälle
- zur Linderung von Melancholie und Traurigkeit sowie zur Stärkung des Gemüts
- zur Vertreibung von Sorgen und belastenden Gedanken
- zum Lösen von Blockaden im Bereich des Gehirns
• Verdauungssystem Gerard empfiehlt Melissa bei einem feuchten und kalten Magen, während Culpeper es bei Darmkoliken einsetzt
• Andere beide Autoren beschreiben Anwendungen bei:
- Auflösung harter Schwellungen im Gewebe oder im Rachenbereich (z. B. Skrofulose)
- Wundverschluss und Stillung von Blutungen
- Reinigung übelriechender Geschwüre sowie Behandlung von Gicht
• Wirkungen (BHP 1983) schweißfördernd, blähungstreibend, krampflösend und sedierend
• Anwendungen (BHP 1983) bei ängstlicher Unruhe, depressiven Verstimmungen sowie Dyspepsie mit Blähungen
• Wirkungen (Wichtl 1989)
- schweißtreibend und antibakteriell bei Erkältungen
- krampflösend und beruhigend bei gastrointestinalen Beschwerden nervösen Ursprungs, psychosomatischen Herzbeschwerden (z. B. Palpitationen), Migräne und Melancholie
Pharmakologische Zusammensetztung
• Hydroxyzimtsäure-Derivate (ca. 6–11%), überwiegend Rosmarinsäure (ein Dimer der Kaffeesäure, ca. 2,5%) sowie Kaffeesäure (>2%)
-„Gerbstoffe“: Melissa enthält keine echten Gerbstoffe im Sinne von kondensierten oder hydrolysierbaren Tanninen; die genannten Hydroxyzimtsäure-Derivate werden jedoch teilweise als „Lamiaceen-Gerbstoffe“ bezeichnet und wirken adstringierend
• Flavonoide (ca. 0,5%), vor allem Luteolin-3'-Glucuronid
• ätherisches Öl (ca. 0,1–0,4%), hauptsächlich bestehend aus den Citral-Isomeren Geranial und Neral (zusammen ca. 45–90%)
• weitere Inhaltsstoffe: Triterpene wie Ursolsäure (ca. 0,6%) und Oleanolsäure (ca. 0,2%), Benzoesäurederivate einschließlich eines 1,3-Benzodioxolderivats sowie Protocatechusäure
Wirkung Aufgrund der Bestandteile
• Rosmarinsäure (Hydroxyzimtsäure-Derivat) wirkt virostatisch (virenhemmend), antibakteriell, entzündungshemmend und antioxidativ sowie angstlösend, antidepressiv und neuroprotektiv
• Citral zeigt entzündungshemmende, krampflösende und leicht sedierende Eigenschaften
Dosierung und Verabreichungsform
Getrocknete Arznei: 2–4 g des Krautes, als Pulver oder Aufguss, dreimal täglich (BHP)
Flüssigextrakt: 1–2 ml eines 1:2-Extraktes, dreimal täglich (umgerechnet nach M&B Safety)
Tinktur: 2–6 ml einer 1:5-Tinktur in 45% Alkohol, dreimal täglich (BHP)
Quelle
Ross, Jeremy (2009): Westliche Heilpflanzen und Chinesische Medizin – Eine klinische Materia Medica. Verlag für Ganzheitliche Medizin Dr. Erich Wühr GmbH, Bad Kötzting.
